Paul Simonius war das erste Kind des Ingenieurs und Industriellen Oberst Alphonse Simonius-Blumer, der von 1906 bis zu seinem Hinschied im Jahr 1920 als Präsident des Verwaltungsrats des Schweizerischen Bankvereins amtete und in die Erinnerung der Nachwelt eingegangen ist, weil er zusammen mit Dr. Max Staehelin-Maeglin, dem damaligen Direktor der Schweizerischen Treuhandgesellschaft, auf einer Geschäftsreise nach Amerika 1912 die Katastrophe des Dampfers «Titanic» heil überstand. Alphonse Simonius entstammte einer seit 1582 urkundlich nachweisbaren Ravensburger Familie von Chirurgen, Ärzten und Kaufleuten; erst sein Grossvater Paul Simonius-Oschwald hatte als Partner des damaligen seit 1719 im Wollhandel tätigen Hauses Hans Georg Fürstenberger, 1832 in Basel Fuss gefasst und 1848 dessen Bürgerrecht erworben. Geboren in Zell im Wiesental und aufgewachsen in Wangen im Allgäu, wo der Vater ein industrielles Unternehmen leitete, bestand Paul Simonius nach der Rückkehr seiner Eltern in die Schweiz die Maturität an der Zürcher Kantonsschule. Neben der Schule und auch später widmete er sich mit Begeisterung dem Sport; schon mit achtzehn Jahren spielte er in der Schweizer Fussballmannschaft mit. Im Blick auf seine Bestimmung, in Zukunft die Leitung der väterlichen Fabriken zu übernehmen, bildete er sich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich zum Maschineningenieur aus. Kurz nach dem Abschluss seiner Studien beauftragte ihn der Vater mit dem Bau und der Führung einer Cellulosefabrik in Drvar, einem waldreichen Tal in der damaligen österreichischen Provinz Bosnien; dabei kamen ihm sein grosses technisches Können und sein Improvisationstalent wie sein ausserordentliches Geschick im Umgang mit Menschen der verschiedensten Stände in hohem Mass zustatten. Grosse Probleme stellten sich für Paul Simonius nach dem Ersten Weltkrieg, als die Simonius'schen Cellulosefabriken in Deutschland aufgegeben werden mussten und sich die Situation in Drvar mit dem Übergang Bosniens an Jugoslawien grundlegend veränderte. Die Führung eines Geschäfts in diesem jungen Staatswesen gestaltete sich für einen Ausländer doppelt schwierig; doch gelang es ihm mit der Zeit, das Familienunternehmen wieder auf die Höhe zu bringen. Die Verbindung von Paul Simonius mit der Heimat blieb aufrecht erhalten durch die regelmässigen Militärdienste in der Schweiz. Schon mit zwanzig Jahren als jüngster unter seinen Kameraden zum Offizier befördert, diente er während des Ersten Weltkriegs unter anderm als Hauptmann im Generalstab im militärischen Nachrichtendienst in Bern. Als Oberstleutnant übernahm er 1923 das Kommando des ersten schweren Artillerie-Regiments, das motorisiert wurde; 1929 erfolgte seine Beförderung zum Oberst. Ein Jahr hernach aber erlitt Paul Simonius eine Embolie, die eine Sprachstörung nach sich zog. Damit wurde seiner vielversprechenden militärischen Laufbahn ein plötzliches Ende gesetzt, und auch seine berufliche Tätigkeit wurde durch seine Behinderung ausserordentlich erschwert. Die Wiederaufnahme der Arbeit in Jugoslawien erforderte äusserste Energie, zumal sich die dortigen politischen Verhältnisse immer schwieriger gestalteten und die notwendigen Verhandlungen mit den Behörden für ihn zu einer fast unerträglichen Nervenbelastung wurden. Dennoch gelang es ihm schliesslich dank der Achtung, die seine absolute Ehrenhaftigkeit und sein unbestechlicher Charakter seinen Verhandlungspartnern abnötigten, die Geschäfte in Jugoslawien relativ erfolgreich abzuschliessen; doch fiel ihm der Abschied von seinem Lebenswerk und seinen Mitarbeitern sehr schwer.
1937 kehrte Paul Simonius mit seiner Gattin, die ihm eine Tochter und zwei Söhne geschenkt hatte, endgültig nach Basel zurück, wo die Familie in der «Sandgrube» an der Riehenstrasse Wohnung nahm. Mit der Zeit eröffnete sich für ihn die Möglichkeit, seine grossen Fähigkeiten, umfassenden Kenntnisse und reichen Erfahrungen für verschiedene schweizerische Unternehmen fruchtbar zu machen. Die Tätigkeit in der Baugesellschaft zum Löwenfels, in der Bank Dreyfus Söhne & Cie. AG und insbesondere in der Maschinenfabrik Adolf Schulthess & Co. AG im Zürcher Oberland, zu deren glücklicher Entwicklung er mehr denn fünfzehn Jahre lang als Delegierter und in den letzten drei Jahren als Präsident des Verwaltungsrats erfolgreich beitragen konnte, erfüllte ihn mit grosser Befriedigung. Nach 20-jährigem Wohnsitz in der «Sandgrube» entschlossen sich Paul Simonius und seine Gattin zum Erwerb der mit dem Hinschied von Carl Füglistaller-Frey verwaisten Villa am Hirzbodenweg. Leider war ihm dort nur noch eine kurze Zeitspanne vergönnt; im Frühherbst 1958 war die Kraft des tapferen Kämpfers, der sich immer wieder mit unbeugsamem Lebenswillen über seine zunehmenden Gebrechen hinweggesetzt hatte, aufgezehrt. Ende August von einem Aufenthalt in Ragaz krank heimgekehrt, durfte er am 15. September 1958 sanft entschlafen.
