Das Haus Hirzbodenweg 103, das Hauptgebäude des heutigen Firmensitzes der Internationalen Treuhand AG, zählt zu den relativ wenigen, noch heute erhaltenen baslerischen Villen aus der Epoche des Historismus. Es wurde 1901 als repräsentatives, herrschaftliches Wohnhaus des gehobenen Bürgertums erstellt, wobei sich Bauherr wie Architekt in ihrer gemeinsamen Vorliebe für die traditionellen Bauformen der baslerischen Vergangenheit aus der Zeit des Barocks, die das Stadtbild des 18. Jahrhunderts weithin prägten, verbunden wussten.
In der Gestaltung des Baus ist denn auch eine bestimmte Anlehnung an französisch-baslerische Vorbilder, insbesondere eine gewisse Verwandtschaft mit dem Haus «zum Delphin», dem heutigen Domizil des Erbschaftsamtes an der Ecke der Rittergasse und der Bäumleingasse, nicht zu verkennen. Sie äussert sich insbesondere in der reichen Ausbildung der dreiachsigen Strassenfassade, die dem Betrachter dank ihrer kunstreichen Gliederung einen ebenso harmonischen wie kraftvollen Eindruck hinterlässt. Markant hebt sich von den beiden Seitenachsen die ganz in rotem Sandstein ausgeführte, mit Lisenen eingefasste Mittelachse des dreigeschossigen, auf einem hohen grauen Steinsockel ruhenden Baus ab. Sie wird im Erdgeschoss wirksam akzentuiert durch die über eine kurze Vortreppe zu erreichende rundbogige zweiflügelige Haustüre, die durch gefelderte Pilaster und eine Archivolte prunkvoll eingefasst und durch Schmiedeisengitter mit feinem Rankenwerk bereichert wird. Von der grossen Rocaillen-Kartusche des Scheitels gehen auf beiden Seiten reiche Guirlanden aus. Über diesem Zierfeld erhebt sich als profilierte Verdachung das Gurtgesims; darüber liegt das von zarten Lagerfugen umrahmte Fenster des Obergeschosses, das von der aus dem Mittelfeld emporragenden, mit grosser Kartusche und seitlichem Blattgehänge geschmückten Lukarne des Mansardendachs gekrönt wird. Gequaderte Ecklisenen, gleichfalls aus rotem Sandstein, bilden die wirksame vertikale Verstärkung der beiden Seitenachsen mit ihren stichbogigen Fenstern, während die Waagrechte durch ein Steinband über dem Steinsockel, ein rechteckiges Gurtgesims zwischen den Geschossen und ein profiliertes kleines Gesims unterhalb der Dachtraufe betont wird.
Durch die Haustüre gelangt man in die durch glatte Pilaster mit korinthischen Kapitellen eindrucksvoll geschmückte Eingangshalle, aus der die Treppe mit prächtigem Balustergeländer bis in den Dachstock hinaufführt. Im Erdgeschoss gruppieren sich um das Vestibüle der einstige Salon, das Herrenzimmer, das Wohnzimmer mit der anschliessenden Veranda und das mit dem Wohnzimmer verbundene Esszimmer, die, ebenso wie die Wohnräume des ersten Stocks, heute für die Zwecke der Internationalen Treuhand AG genutzt werden.
In Würdigung seiner hohen architektonischen Qualitäten, seiner sorgfältig abgewogenen Fassadenkomposition, seiner harmonischen Raumgestaltung und seiner gepflegten Bauausführung - hat die Gesellschaft den Bau nach dem Erwerb der Liegenschaft unter sorgfältiger Erhaltung ihres reichen Innendecors durch Architekt Martin H. Burckhardt vorbildlich renovieren lassen und deren Verwendbarkeit für ihre Bedürfnisse durch einen Bureaupavillon im Garten gegen die Wartenbergstrasse erhöht.
Frühere Persönlichkeiten
Adolf Staehelin-Gruner (1853-1941), Bauherr
Eduard Vischer-Sarasin (1843-1929), Architekt
Bernhard Sarasin-La Roche (1892-1950), Bewohner
