Eduard Vischer-Sarasin (1843-1929)

Mit dem Bau der Villa am Hirzbodenweg hatte Adolf Staehelin-Gruner 1901 das Architekturbureau Vischer & Fueter beauftragt, das der ältere Partner Eduard Vischer-Sarasin (1843-1929) im März 1870 in der Kapelle des Deutschritterhauses an der Rittergasse ins Leben rief und seit 1872 in freundschaftlicher Verbindung mit seinem ehemaligen Studienkollegen, dem Berner Eduard Fueter (1845-1901), führte. Als Sohn des Ratsherrn und Professors Wilhelm Vischer-Bilfinger, dem Basel die Berufung des jungen Friedrich Nietzsche an seine Universität verdankte, fand Eduard Vischer nach der Maturität am seinerzeitigen Pädagogium, der Oberstufe des Humanistischen Gymnasiums, in Christoph Riggenbach, welcher damals den Bau der von Christoph Merian gestifteten neugotischen Elisabethenkirche leitete, seinen ersten Lehrmeister. Das Studium der Architektur führte ihn an das Polytechnikum in Zürich, an die Bauakademie in Berlin und an die Ecole des Beaux-Arts in Paris. Wertvolle Eindrücke für sein späteres berufliches Schaffen gewann er auf längeren Bildungsreisen nach Italien, Griechenland und Konstantinopel, die der Gründung des eigenen Bureaus in seiner Vaterstadt vorausgingen. Neben dem Bau des Sevogelschulhauses wurde dem jungen Architekten die Projektierung zahlreicher Villen im St. Alban-Quartier übertragen, die sich durch ihre klare und zweckmässige Disposition, ihre harmonische Raumgestaltung und ihre sorgfältig abgewogene Fassadenkomposition auszeichneten. Lebhaften Anteil nahm Eduard Vischer an den grossen städtischen Bauaufgaben der Zeit. Sein Werk war unter anderm das 1896 bezogene Frauenspital zwischen Schanzen- und Klingelbergstrasse, das damals als eines der schönsten und modernsten Spitäler des Kontinents galt. 1895 gelangte das Bureau Vischer & Fueter in einer internationalen Konkurrenz für den Umbau und die Erweiterung des Basler Rathauses an die Spitze der Bewerber; es wurde mit einem ersten Preis ausgezeichnet und mit dem Auftrag betraut, der in den Jahren 1898-1905 zur Ausführung gelangte. Die bedeutende künstlerische Leistung, die Eduard Vischer hier gelang, fand bei den Behörden und in der Öffentlichkeit hohe Anerkennung. Auf eidgenössischer Ebene trat er hervor als Mitglied und Präsident der Kommission für das Schweizerische Landesmuseum; in dieser Eigenschaft verhalf er in der heiss umstrittenen Frage der Ausschmückung des Waffensaals dem Entwurf Ferdinand Hodlers zur Durchführung. Bis 1924 blieb Eduard Vischer der aktive Seniorchef des Bureaus, um dann dessen Leitung seinen Söhnen Dr. h.c. Ernst B. Vischer-Geigy und Paul Vischer-Geigy zu übergeben. Seinem Enkel Ambrosius Vischer, dem Leiter der Firma Vischer Architekten, wurde der ehrenvolle Auftrag zuteil, mit der 1982 abgeschlossenen Renovation des Rathauses das Werk des Grossvaters fortzusetzen.

Eduard Vischer-Sarasin