1929 zog der damals 37-jährige Bankier Bernhard Sarasin-La Roche (1892-1950) mit seiner Gattin, der Tochter des Seidenbandfabrikanten Emanuel Wilhelm La Roche-Paravicini, und seinen beiden Söhnen Alfred, späterer Teilhaber des Bankhauses A. Sarasin & Cie. und Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, sowie Hans Lucas, dem nachmaligen Advokaten und Notar und Vorsteher der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, am Hirzbodenweg ein; dort wurde dem Ehepaar 1932 als weiterer Sohn noch Beat, ebenfalls Partner der Sarasin'schen Privatbank und Präsident des Verwaltungsrats des Zoologischen Gartens, geschenkt. So wurde das stilvolle Haus zum Wohnsitz einer Persönlichkeit, die beste baslerische Tradition verkörperte.
Er war der Enkel des Ratsherrn Karl Sarasin-Sauvain, der als Präsident des Bau-Collegiums zum aufgeschlossenen Promotor einer zeitgemässen städtischen Baupolitik geworden war, und der Sohn des ihn überlebenden Dr. h. c. Alfred Sarasin-Iselin, der als Chef der bekannten Basler Privatbank, als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung und des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank eine führende Stellung im Bankwesen unseres Landes einnahm. Trotz seinem frühen Entschluss, den Beruf des Vaters zu ergreifen und sich dem Bankfach zu widmen, durchlief Bernhard Sarasin nach gutem Basler Brauch bis zur Maturität das Humanistische Gymnasium, absolvierte dann eine Banklehre in der väterlichen Firma und hielt sich anschliessend drei Jahre lang zur weiteren Ausbildung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auf, wo er vorübergehend als Attache an der damaligen Schweizerischen Gesandtschaft in Washington unter Minister Dr. Hans Sulzer tätig war.
1919 nach Basel zurückgekehrt, trat er in die Bank des Vaters ein, in der er bald zum Teilhaber aufstieg. Dank seiner umfassenden Kenntnis der schweizerischen und internationalen Wirtschaft und seiner wachsenden beruflichen Erfahrung wurde Bernhard Sarasin im Lauf der Jahre zum soliden Pfeiler des angesehenen Bankhauses und zum hochgeschätzten Berater zahlreicher bedeutender Unternehmen des Handels und der Industrie, welche ihn in ihre Verwaltungsräte beriefen. Schon 1925 wurde er in die Leitung der Schweizerischen Bankiervereinigung gewählt, welche ihm 1947 als Nachfolger von Robert La Roche das Präsidium übertrug, das er bis zu seinem frühen Tod bekleidete. Seine fachliche Kompetenz und persönliche Loyalität trugen wesentlich zur Festigung des Ansehens bei, das sich diese auf baslerische Initiative zur Wahrung der gemeinsamen Interessen gegründete Dachorganisation des gesamten schweizerischen Bankwesens bei den eidgenössischen Behörden und im Ausland erwarb.
Als Neffe von Regierungsrat und Nationalrat Professor Dr. Paul Speiser-Sarasin, dem Gründer und ersten Präsidenten der Schweizerischen Schleppschiffahrtsgenossenschaft, der späteren Schweizerischen Reederei AG, brachte Bernhard Sarasin sein besonderes Interesse der schweizerischen Schiffahrt entgegen. Seit 1929 Mitglied des Verwaltungsrats und seit 1946 dessen Präsident, setzte er sich tatkräftig für die Stärkung der schweizerischen Schiffahrt durch den Ausbau der Flotte und damit für die Unabhängigkeit unseres Landes auf dem Weg zum Meer und auf hoher See ein.
Als Repräsentant des selbständigen Handelsstandes gehörte Bernhard Sarasin von 1923-1944 dem Basler Grossen Rat an, wo er vor allem in Finanz- und Steuerfragen ein gewichtiges Wort mitzusprechen hatte; in allen politischen Lagern anerkannt und geschätzt, wurde er für das Amtsjahr 1936/37 auf den Präsidentenstuhl des kantonalen Parlaments erhoben. Der Öffentlichkeit diente er überdies durch seine Mitarbeit in zahlreichen weiteren Institutionen, nicht zuletzt als Präsident der Leitenden Kommission der Allgemeinen Armenpflege in den Jahren 1944-1949. Alle Bereiche seines weitverzweigten Wirkens für die Wohlfahrt des Gemeinwesens waren geprägt durch die Grosszügigkeit, das Wohlwollen und die innere Harmonie seiner Persönlichkeit, die mit ihren reichen Gaben des Geistes und Herzens einen gewinnenden Charme ausstrahlte.
Nach dem Hinschied Bernhard Sarasins ging die Villa an die Firma Touscharbons SA über, von der sie 1960 die Internationale Treuhand AG erwarb.
