Adolf Staehelin-Gruner (1853-1941)

Der Bauherr der Villa Hirzbodenweg 103, in der seit 1960 die Internationale Treuhand AG domiziliert ist, war Adolf Staehelin-Gruner (1853-1941), der einzige Sohn aus der zweiten Ehe des Industriellen und Ratsherrn August Staehelin-Brunner, der Basel-Stadt von 1855-1860 und von 1861-1866 im Ständerat vertrat und die kleine Kammer der Bundesversammlung 1857/ 58 präsidierte. In dem vom Vater erbauten «Rheinhof» an der St. Alban-Vorstadt, dem unter der populären Bezeichnung «Zahnlücke» bekannten, Sitz des Sanitätsdepartements, aufgewachsen, durchlief er das Hu­man­istische Gymnasium und die damalige Gewerbeschule, eine Vorläuferin des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums, absolvierte dann eine kaufmännische Lehre in der väterlichen Firma Sarasin & Heussler, die Baumwollspinnereien in der Neuen Welt (Baselland) sowie in Hagen im badischen Wiesental betrieb, und bildete sich anschliessend in Le Havre und London weiter aus. Nach Basel zurückgekehrt, trat er in die Seiden­bandfabrik Sarasin, Stehlin & Co. ein, deren Leitung er bis 1909 angehörte; dann zog er sich ins Privatleben zurück, betätigte sich aber weiterhin als Mitglied der Administration der Zinstragenden Ersparniskasse, der heutigen Sparkasse Basel. Die grosse Liebe Adolf Staehelins galt den fernen Ländern. Im April 1877 trat er eine Fahrt nach Pernambuco in Brasilien an, wo er mehr als ein Jahr in einem schweizerischen Handelshaus tätig war; hierauf unternahm er eine grosse Reise nach Süd-, Zentral- und Nordamerika. Zwei Jahre später bereiste er die Westküste von Südamerika, und in den folgenden Jahren schlossen sich kleinere Fahrten nach Spanien, den Kanarischen Inseln und Marokko, nach Konstantinopel und Palästina an. Als begabter Reiseschriftsteller hielt Adolf Staehelin seine Eindrücke in drei Publikationen fest: 1883 erschien die Schrift «Reisen in Südamerika, den Antillen, Mexico und den Vereinigten Staaten», 1885 die Reiseskizzen «Sommer und Winter in Südamerika» und 1889 deren Fortsetzung unter dem Titel «Von Jerusalem über Land nach dem Suezkanal». Diese Reisen, die er in jungen Jahren unternehmen durfte, prägten sein Dasein und erfüllten zeitlebens sein ganzes Denken. Die Flamme der leidenschaftlichen Begeisterung für die Erforschung fremder Länder und Erdteile, ihrer Sitten und Gebräuche wie ihrer Pflanzen- und Tierwelt erlosch in ihm nicht, und im wissenschaftlichen Studium, das ihm seine reichhaltige Bibliothek ermöglichte, fand er bis zu seinem Tod tiefe innere Befriedigung. Besondere Freude schenkten ihm seit 1892 die Mitarbeit in der Kommission des Museums für Völkerkunde, der er auch als Kassier diente, sowie die Touren im Hochgebirge, die er als gewandter Bergsteiger und jahrelanges treues Mitglied des Schweizerischen Alpen-Clubs unternahm.
1889 hatte Adolf Staehelin Wilhelmine Antonia Grüner (1866-1925), der Tochter des Ingenieurs Heinrich Gruner-His, die Hand zum Lebensbund gereicht. Mit ihr zog er 1901 im Haus am Hirzbodenweg ein; doch verliess er es nach dem frühen Tod der Gattin, indem er es von 1926-1928 zunächst an Dr. Eduard Nüscheler, Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins und Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, vermietete und 1929 an den Bankier Bernhard Sarasin-La Roche verkaufte.

Adolf Staehelin-Gruner